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"Roentgen Villa - haus Friedrichstein bei Fahr am rhein - landvilla auf der Hohe Ley - Erbauer: august von roentgen."

Roentgen Villa - Haus Friedrichstein

Sogar vielen älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern von Fahr am Rhein ist nicht bekannt, dass es sich bei "Haus Friedrichstein" - um die von Geheimrath Dr. jur. Gottfried Leonhard August von Roentgen erbaute Landvilla handelt. August von Roentgen war der zweite Sohn des berühmten Kunstschreiners David Roentgen (1743-1807). Geboren am 10. Juni 1781 in Neuwied. Verstorben am 05. August 1865 in seiner Villa in Fahr.

Villa Roentgen - Haus Friedrichstein in Fahr am Rhein

Die Geschichte dieser Villa Roentgen - Haus Friedrichstein - (Bildmitte) und seiner nachfolgenden Eigentümer wurde bisher von keinem Historiker recherchiert. Diese Text- und Bild-Dokumentation ist die erste Publikation über diese Landvilla in Neuwied-Feldkirchen (Fahr am Rhein) und ein Zitat aus einem Kapitel einer z.Zt. noch in Arbeit befindlichen Biographie über diesen ehemaligen, hochangesehenen Mitbürger von Fahr. Seit 1953 ist diese Villa in Privatbesitz der Familie des Christoph Freiherrn von Geyr-Schweppenburg und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Die Chronik der Villa Roentgen - Haus Friedrichstein

     
Geheimrath Dr. jur. Gottfried Leonhard August von Roentgen  

1830

Geheimrath Dr. jur. August von Roentgen

begann im Alter von 49 Jahren über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren, eine große Anzahl von Einzelparzellen in der Gemeinde Fahr zu erwerben.

Diese Parzellen befanden sich in den Gemarkungen von Fahr:

- Auf der Holu rechts,

- Auf dem Schildchen und

- Auf der Hohr.




Alle Bildrechte dieser Miniatur: Roentgen-Museum Neuwied

1847

Unter dem Datum "Heddesdorf, 26. Juni 1849" befindet sich in den Unterlagen des Katasteramtes Neuwied ein Eintrag für das Jahr "1847" über einen ab diesem Zeitraum bewohnbaren oder vollendeten Neubau für "von Roentgen, Geheimrat". Es ist die Villa Roentgen oberhalb des Rheinufers auf dem Friedrichstein.

Unterschrift des Geheimrath Dr. jur. August von Roentgen

Juni 1849: Unterschrift des Geheimrath "von Roentgen"

Erbaut zu einem Zeitraum als direkt unterhalb der neu erbauten Villa Roentgen immer noch die Ruine des Schlosses Friedrichstein am Rheinufer zu sehen war, die im Volksmund "Teufelsschloss" genannt wurde.

1860 Das Teufelsschloss in Fahr Wirtschaftsgebäude

1860: Blick auf das Wirtschaftsgebäudedes "Teufelsschlosses" (Friedrichstein)
in Fahr am Rhein. Im rechten hinteren Bildteil sieht man einige Häuser des Ortes.

Roentgen Villa in der Flurbezeichnung Auf der Hohr rechts

In diesem Kartenausschnitt ist unter der Flurbezeichnung "auf der Hohr rechts"
der eingezeichnete Grundriss der Villa Roentgen zu sehen.
Im linken unteren Teil ist der Hinweis "Teufelsburg" zu lesen.


Das Folgende Bild stammt aus dem "Supplement-Flurbuch" von Fahr.
Die Villa wird sogar "Schloss" genannt.

Supplement-Flurbuch von Fahr. Die Villa Roentgen wird Schloss genannt.

"Flur 2 N. (92, 93, 94, 95, 96, 167) Aufnahme der Villa des Geheimrath v. Röntgen."
"Trennung der Gebäudefläche vom Acker...
Die Fortschreibung respektive Berichtigung der Mutterrolle
muss bis Fortschreibung pro 1849 gestundet(?) werden. Schneider"

05. August 1865

Geheimrath Dr. jur. August von Roentgen  

Geheimrath
Dr. jur. August von Roentgen

geboren am 10. Juni 1781 in Neuwied, verstirbt im Alter von 84 Jahren am 05. August 1865 in seiner Landvilla auf dem Friedrichstein, oberhalb des Rheinufers in Fahr.

Er war verheiratet mit Carolina Olivia von Trepka
* 17. April 1815, Kopenhagen/Dänemark,
+ 27. Oktober 1851, Villa Roentgen, in Fahr.

Die Ehe blieb Kinderlos.

Familienwappen des Geheimrath Dr. jur. August von Roentgen

 

08. August 1865

Die Testamentseröffnung erfolgt am 08. August 1865, am gleichen Tage seiner Beisetzung auf dem Friedhof von Feldkirchen. Sein von ihm testamentarisch bestimmter Universalerbe ist sein Neffe, Philipp Heinrich August Roentgen, Prediger der ev. Brüdergemeine zu Zeist in Holland.

14. August 1865

Anzeige in der Neuwieder-Zeitung

Neuwieder Zeitung 14. August 1865

§ 1

Die zum Verkauf ausgesetzte Besitzung des verstorbenen Herzoglich Nassauischen wirklichen Geheimrathes von Roentgen Excellenz, bestehend aus:

einem vor zwanzig Jahren im neuesten Geschmack erbauten Wohnhause und Nebengebäuden mit 26 Salons, Zimmern und Cabinetten, außerdem Küchen, Kellern, Vorraths-Kammern, Speicherräumen, getrenntem Pferdestall und Rindviehstall, Remiße und Hühnerhof, - sowie aus 7 Morgen, 21 Ruthen 9 Fuß Hofraum, Gärten und Weinberg,

wird mit allen darauf ruhenden Rechten, Lasten und Verbindlichkeiten, wie solche der seitherige Eigenthümer auszuüben befugt resp. zu erfüllen verpflichtet war, und allen in den Gebäuden nied- und nagelfestem Zubehör an den Meistbietenden verkauft. Von Lasten sind außer den Steuern keine weiter bekannt.

§ 2

Für den angegebenen Flächengehalt wird in der Weise von dem Verkäufer gehaftet, dass während sechs Monaten vom Tage der Uebergabe an gerechnet, das etwa als fehlend nachgewiesene Ruthenmaaß nach einer Taxe des Feldgerichts zu Fahr in Geld ersetzt werden soll, während für das etwa vorhandene Mehr der Verkäufer keine besondere Vergütung in Anspruch nimmt.

§ 3

Die Gebote erfolgen und zwar mit Aufgeboten von Ein Hundert Thalern Preuss. Courr. Der Kaufpreis wird zu einem Drittheil vor Uebergabe des Kaufobjectes (jedoch auf Verlangen einstweilen durch De-position entsprechender, hinreichende Sicherheit bietender Wertpapiere) an den Verkäufer oder des-sen Bevollmächtigten erlegt. Das zweite Drittheil wird sechs und das dritte, zwölf Monate nach erfolg-ter Uebergabe nebst 4% Zinsen vom Tage der Uebergabe an gerechnet gezahlt: Die Zahlung erfolgt in Münzsorten resp. Tresorscheinen wie solche bei den Königlich Preußischen öffentlichen Cassen Cours und Gültigkeit haben. Auf Wunsch des Käufers kann jedoch das letzte Drittheil auch eine Reihe von Jahren zu 4% als erste Hypothek auf dem Kaufobject stehen bleiben, welches näherer Ueberein-kunft vorbehalten bleibt.

§ 4

Jeder im Auftrage eines anderen Bietende muß mit einer gültigen Vollmacht versehen sein und dieselbe auf Verlangen dem Verkäufer oder dessen Stellvertreter vorzeigen.

§ 5

Der Letzbietende muß, wenn er nicht notorisch zahlungsfähig ist, einen durch obrigkeitliches Zeugniß als zahlungsfähig für die Steigsumme anerkannten und sich solidarisch verpflichtenden Bürgen und Selbstschuldner stellen ehe er den Zuschlag erhält.

§ 6

Die Genehmigung bleibt vorbehalten und ist der Letztbietende acht Tage lang an sein Bebot gebunden.

§ 7

Die Uebergabe erfolgt alsbald nach ertheilter Genehmigung, jedoch hat Verkäufer das Recht, das Besitzthum noch bis zum 20. Oktober ds. Jrhs. zu nutzen. Sollte die Uebergabe nach diesem Zeit-punkt von Seiten des Ankäufers eine Verzögerung erfahren, so steht es dem Verkäufer frei, solche gerichtlich zu bewerkstelligen, wonach die Gefahr lediglich auf den Ankäufer übergeht, und sofort ein Klagerecht wegen Auszahlung des ersten Steigzieles entsteht. Außerdem steht es dem Verkäufer frei, für den Fall, dass die Zahlung des Kaufpreises nicht in den vorbemerkten Fristen erfolgt, entweder den Verkauf für aufgehoben zu erklären, oder auf Erfüllung des Vertrages zu bestehen.

§ 8

Die Kosten für Stempel und Ausfertigung des Kaufbriefes und wegen erfolgender Uebergabe des Kaufobjectes werden von dem Ankäufer getragen.

 

Quelle: Unitätsarchiv Herrnhuth

 

27. Februar 1869

Rund dreieinhalb Jahre nach dem Tod des Geheimrath Roentgen wird in den Akten des Katasteramtes Neuwied die Eigentumsübertragung in der Zeile 13 als ein Gerichtlicher Kauf "von Roentgen Geheimrath" an Rodgers John Copeland Fahr – dokumentiert.

Grundbuch der Kataster-Gemeinde Fahr Band IV, Artikel 142. Die Unterschrift des Käufers lautet: John C. Rodgers. Eigentümer: Die Eheleute John Copeland Rodgers und Alwine Meß zu Fahr.

Den in den Akten des Grundbuchamtes Neuwied zu ersehenden Unterlagen ist zu entnehmen, dass es sich bei "John Copeland Rodgers" offensichtlich um einen aus England stammenden Herrn handelt. Recherchen in Einwohnermelde-listen und Kirchenbüchern brachten kein Ergebnis in Bezug auf weitere Personendaten zu John C. Rodgers und seiner Ehefrau Alwine Meß.

Hinweis:
1891 - In dem Buch "Neuwied und seine Umgebung …"des Verfassers Wirtgen, Philipp, wird auf Seit 253 berichtet:
Dicht an den Rhein tritt eine Viertelstunde unterhalb Irlich und eine kleine Strecke von Wollendorf ein ca. 100 Fuß hoher Schieferfels, die hohe Lei (Hollei) vor und verliert sich mit vielen Ausläufern in den Rhein. Auf der südlichen Seite lehnt sich die Villa Röntgen, von dem Minister August von Röntgen …jetzt im Besitz des Herrn Rüttger, mit ihren freundlichen Anlagen, an die hohe Lei an.

Diese Information ist falsch. Es gab nie einen Eigentümer "Rüttger". Offensichtlich handelt es sich um einen Übertragungsfehler. Bis 1894 waren die Eigentümer dieses ehemaligen Roentgen Anwesens John C. Rodgers und seine Ehefrau Alwine geb. Meß zu Fahr. Der nachfolgende Besitzer war Max Charlier.

1865

1865 im oberen Bildteil die Villa Roentgen

1865 - Die Villa Roentgen auf dem Friedrichstein.

Zu diesem Zeitpunkt steht die ehemalige Villa Roentgen noch im Eigentum von
John C. Rodgers und seiner Ehefrau Alwine geb. Meß, aus Fahr.

1872 / 1873

Es beginnt die Zeit der Vermessung und der Planung, sowie dem Ankauf von Parzellen zum Bau der Rheinischen Eisenbahn.

Das Ehepaar Rodgers verkauft einen kleinen Teil seiner Parzellen am Rheinufer zur Strassenerweiterung der Provinzialstraße, zum Bau des Bahndammes, sowie zum Bau des Bahnhof Fahr.

22. August 1869

In der Neuwieder-Zeitung Nr. 101 wird eine Bekanntmachung veröffentlicht:

Neuwieder Zeitung 101 vom 22. August 1869

Wahrscheinlich handelt es sich um den Verkauf von Möbeln und Gegenständen aus dem Besitz des Geheimraths August von Roentgen, die zu diesem Zeitpunkt noch in der Villa waren und jetzt durch den Universalerben oder den neuen Besitzer John C. Rodgers und seiner Ehefrau Alwine geb. Meß versteigert werden.

1882 / 1883

Blatt zum Vermessungsriss  Vermessungsriss von 1883

Der Vermessungsriss (Bild rechts), zeigt eine Darstellung, worin 1883 der Weg nach Gönnersdorf aus dem Besitz des John C. Rodgers herausgetrennt wird. Der Text besagt, dass "Herr Rodgers" von 2 1/2 bis 5 1/2 Uhr nachmittags nach Neuwied gekommen war, um mit Steuerinspektor Clouth zu verhandeln.

Es fällt auf, dass die Original- Unterschrift von John C. Rodgers nicht in der deutschen Sütterlinschrift geleistet wurde.

Vermessungsriss

Vermessungsriss der Eisenbahnvermessung von 1872/73. Beglaubigte Abschrift von 1882
Diese Darstellung diente offenbar zur Berichtigung einer falsch zugeschlagenen Fläche.

1894

Neuer Eigentümer der ehemaligen Roentgen Villa, als Nachfolger der Vorbesitzer John C. Rodgers und seiner Ehefrau Alwine geb. Meß - wird der aus Köln-Deutz stammende Unternehmer Max Charlier.

Max Charlier

Max Charlier

* 23.10.1854 Deutz, +10.12.1939, ev.

Er erwarb diesen Besitz im Alter von 39 Jahren.

Gemeinsam mit seinem Bruder Paul Charlier war der Sohn von Albert Charlier Inhaber der Waggonfabrik von der Zypen & Charlier. Er wurde mit dem Titel eines Kommerzienrath geehrt.

Nach seiner aktiven Tätigkeit im Unternehmen lebte er in Urft in der Eifel.

Max Charlier war von Geburt an taub.

Albert Charlier, Unternehmer; geb. 10.04.1814 Roetgen bei Aachen, gest. 22.04.1894 in Wiesbaden, ev.

1845 gründete Albert Charlier, Sohn eines seit 1814 in Aachen ansässigen Spediteurs und späteren Bankiers, gemeinsam mit Ferdinand van der Zypen die Waggonfabrik von der Zypen & Charlier in Deutz.

Zwei Jahre zuvor hatte Charlier, nach einer Lehre in Le Havre und Tätigkeit im Aachener Geschäft, die Kölner Filiale des väterlichen Unternehmens übernommen. Van der Zypen und Charlier waren beide im Postverkehr tätig, der erstere von Lüttich bis Aachen, Charlier von Aachen bis Köln. Durch die Eröffnung der Eisenbahn von Köln nach Antwerpen fiel dieses Geschäft fort, beide Unternehmer erkannten aber die Zeichen der Zeit und produzierten nun Waggons für das neue Verkehrmittel.

Entgegen ihrer Annahme wurde die Strecke der Köln-Mindener-Eisenbahn nicht direkt am Deutzer Firmengelände vorbeigeführt, sodass der Anschluss an das Eisenbahnnetz erst viel später erfolgte.

Dennoch reüssierte das Unternehmen, die spätere Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken AG und seit 1959 Bestandteil von Klöckner-Humboldt-Deutz, das 1969 die Schienenfahrzeugproduktion einstellte.

Zu Beginn wurden noch andere Produkte für das Eisenbahnwesen hergestellt, aber nach wenigen Jahren konzentrierte sich Charlier auf Eisenbahnwaggons, die weltweit exportiert wurden.

1878 zog er sich aus der aktiven Leitung zurück.


Im Kölner Stadtteil Mülheim wurde eine Straße mit dem Namen "Charlier" nach ihm benannt

 

Zitat aus dem Kölner Personenlexikon. Einem Artikel von Herrn Dr. Ulrich S. Soénius.

Paul Charlier, Unternehmer, geb. 15.05.1851 Köln, gest. 04.06.1943 Köln, ev.

Charlier war Mitinhaber der Waggonfabrik. In jungen Jahren baute er das Russlandgeschäft und eine Zweigniederlassung in Riga auf.

Er war technisch sehr begabt und erfinderisch; so gehen das Drehgestell und der Wagentyp "Langenschwalbacher" auf ihn zurück.

Er nutzte auch das Schwebebahnprinzip von Eugen Langen, dessen Umsetzung schließlich zur Wuppertaler Schwebebahn führte, die auf dem Kölner Werksgelände auf einer Teststrecke erprobt wurde.

Charlier war auch entschiedener Verfechter der Eisenkonstruktion für Waggons sowie der Herstellung von Schnellbahnwaggons.

1927 schied er aus der Geschäftsführung aus und übernahm den Vorsitz des Aufsichtsrats.

Er war 1897 – 1914 Mitglied des Stadtrats von Mülheim am Rhein und nach der Eingemeindung 1914 – 1919 für die Liberalen Mitglied des Stadtrats von Köln. Zudem vertrat er Mülheim im Provinziallandtag.

Kurz nach dem frühenTod des Sohnes Otto stiftete Charlier das 1902 errichtete Ev.Waisenhaus an der Mündelstraße.

Er wurde mit dem Titel eines Kommerzienrats geehrt.

 

Zitat aus dem Kölner Personenlexikon. Einem Artikel von Herrn Dr. Ulrich S. Soénius.

 

1895

Bahnhof Fahr am Rhein

Der Bahnhof Fahr erbaut 1891
(1910 umbenannt in Bahnhof Fahr-Irlich.)

Im linken oberen Bildteil sieht man die Villa Roentgen im Jahr 1895, welche ab 1894 bis Ende 1900 – sechs Jahre lang im Eigentum von Max Charlier, einem Unternehmer aus Köln-Deutz war.

Im Vordergrund des Bildes ist das Bahnhofsgebäude des Bahnhof Fahr mit einigen Bahnangestellten zu sehen.

Herr John Copeland Rodgers, hatte Parzellen an die Rheinische Eisenbahngesellschaft verkauft, damit die Bahntrasse und der Bahnhof Fahr gebaut werden konnte.

Das diese Eisenbahn-Haltestelle mit Bahnhof realisiert worden war, ist nachweisbar auf die Initiative des Fabrikanten Herrn Theodor Moskopf zurück zu führen, welcher rechtzeitig die Zeiten der Zeit erkannt hatte.

Ende 1900 - Anfang 1901

Erwarb der Fabrikant Wilhelm von der Nahmer die ehemalige Roentgen-Villa von dem Vorbesitzer Max Charlier.
Das genaue Datum (Dezember 1900 oder Januar 1901) ließ sich bisher nicht feststellen.

Wilhelm von der Nahmer

Wilhelm von der Nahmer, Fabrikant; geb.16. September 1858 in Friedrich-Wilhelmshütte, Kr. Menden an der Sieg, gest. 29. August 1938 in Düsseldorf.

Nach nur rund zwei Jahren, in 1903 wechselte der gesamte Besitz in das Eigentum von Wilhelm Helmrath aus Fahr.

Wilhelm von der Nahmer, Fabrikant; geb.16. September 1858 in Friedrich-Wilhelmshütte, Kr. Menden an der Sieg, gest. 29. August 1938 in Düsseldorf.

Heirat: 14. Mai 1889 in Remscheid mit Lydia Korff, geb. 27. Januar 1868 in Remscheid, gest. 13. Dezember 1945 in Burg/Wupper

Eltern: Alexander von der Nahmer; geb. 19. April 1832 in Wiesbaden, gest. 15. Februar 1888 in Remscheid

Heirat: 21. Dezember 1857 Susanne Luise Beyer Susanne Luise Beyer, geb. 03. August 1827 in Darmstadt, gest. 23. Mai 1901 in Remscheid

Bruder: Adolf Heinrich von der Nahmer, geb. 28. Juni 1866 in Remscheid, gest. 08. April 1939 in Remscheid

Heirat: 01. Oktober 1896 in Remscheid Elenita (Helene) Böker Elenita (Helene) Böker, geb. 15. Oktober 1873 in Mexiko, gest. 02. November 1965 in Remscheid

Beruf: Techniker, Kaufmann, General-Direktor des Alexanderwerks A.v.d. Nahmer AG

Stadtverordneter 1904-1909

Verzog am 01. Oktober 1909 nach Düsseldorf.

 

Wilhelm von der Nahmer war unter seinem Vater, Alexander von der Nahmer, Betriebsingenieur der Bergischen Stahl-Industrie-Gesellschaft vorm. Gebrüder Böker von der Nahmer.

Hier trat er mit seinem Vater am 30. Juni 1885 aus und unterstützte seinen Vater bei der Gründung des Alexanderwerkes.

Am 16. Juli 1886 tritt er als Teilhaber in die Firma seines Vaters.

Bei Gründung der GmbH übernimmt er zusammen mit seinem Bruder Adolf und Carl Bernhard Luckhaus die Geschäftsführung.

Mit Errichtung der Aktiengesellschaft tritt er als Generaldirektor in deren Vorstand.

 

31. Oktober 1885 - Erstes Anfahren der Dampfmaschine An diesem Tag fährt Wilhelm von der Nahmer in Gegenwart seines Vaters und "aller" technischen Beamten zum ersten Mal die neue Dampfmaschine an. Am Abend dieses Tages wird in der "Konzert-halle Germania" von Kampmann in der Brüderstraße in Remscheid - ein fröhliches Richtfest gefeiert. Wilhelm von der Nahmer macht den Vorschlag, das Werk "Alexanderwerk" zu nennen.

02. November 1885 - Eröffnung des mechanischen Betriebes Es wird der regelmäßige Betrieb der mechanischen Werkstätte und der Schmiede unter Meister Fischer eröffnet.

1898 - Ährenheber Patente 86 704 und 91 989 Wilhelm von der Nahmer wurde in diesem Jahr durch seinen Betriebsleiter Carl Laurick mit den der-zeitigen Inhabern der Ährenheber-Patente 86 704 und 91 989, Oberamtmann Wilhelm Jaeger in Kronkendorf bei Sadenbeck, Adolf Jaeger und Fabrikbesitzer Otto Borchert in Fritzwalk bekannt. Wilhelm von der Nahmer erwarb die Generallizenz dieser von dem Pfarrer F.E. Drescher in Wittstock erfundenen Patente durch Vertrag vom 19. Februar 1898. Nach diesen Patenten erhielten die Mäh-maschinen eine schräge, auf dem Ackerboden schleifende Führung, auf der die vom Regen oder dergl. niedergebeugten Halme durch ein Transportband o. dgl. zum Messerwerk befördert wurden. Die Ährenheber wurden im HB II unter Meister Finkeldei gebaut. Viele Versuchsmaschinen wurden mit dem Apparat ausgerüstet und auf großen Gütern in Pommern ausprobiert. Das Unternehmen endete mit einem Fehlschlag, es wurde wegen der großen Mittel, die es verschlungen hatte, für das damals finanziell sehr belastete Werk zu einem erheblichen Skandal. Oberamtmann Jaeger hatte bei Aufgabe des Artikels 1902 noch eine Schuld von M 19 655,-- an das Alexanderwerk, die abgeschrieben wurde.
Dokumente: Lizenzvertrag vom 19. Februar 1898 Patenschriften 86 704 Kl. 45 und 91 989 Kl. 45

 

Als Folge der Wachwitz-Katastrophe schied er 1909 aus dem Alexanderwerk aus und übernahm in Düsseldorf die von ihm 1898 gegründete, frühere Alexanderwerk-Hauszeitschrift: "Mitteilungen für den Haus- und Küchen-Gerät-Handel" in eigenen Verlag.

 

Es ist zu vermuten, dass Wilhelm von der Nahmer aufgrund von wirtschaftlichen Entwicklungen diesen Landsitz in Fahr wieder kurzfristig verkauft hat.

 

1903 - 1919

Wilhelm Helmrath aus Fahr wurde der neue Eigentümer.
Geboren: 1855 und verstarb am 26.09.1940 im Alter von 85 Jahren. Seine Ehefrau Klara Helmrath geb. van Shayk verstarb am 07.08.1941 im Alter von 74 Jahren.

Im Katasteramt Neuwied, Gebäudebuch Fahr, Rechnungsjahr 1903, befindet sich eine Beurkundung über den Eigentumsübergang.

alt:   von der Nahmer, Wilhelm, Fabrikant in Remscheid

neu: Helmrath, Wilhelm, Rentner in Fahr

Wilhelm Helmrath war 1905 Mitglied im Gemeinderat Fahr. Amtierender Bürgermeister war der damalige Eigentümer der Unteren Mühle von Fahr, Herr Kiefer.

Zitat aus den Fahrer Gemeinderats-Sitzungsprotokollen:

1905: Der amtierende Bürgermeister von Fahr am Rhein war Herr Kiefer.
Die Mitglieder des Gemeinderates waren: Herr Bäcker, Herr Bell, Herr Wilhelm Helmrath,
Herr Hummerich (Hümmerich), Herr Krumscheid, der Fabrikant Theodor Moskopf, Herr Remy
und Herr Rockenfeller.

Am 09. Januar 1917 stand folgende Stellenanzeige in der Neuwieder Zeitung:

Neuwieder Zeitung 9. Januar 1917 - Stellenangebot für Haus Friedrichstein (ex Villa Roentgen)

1919 wechselte das gesamte Anwesen mit Park und Weinanbau in das Eigentum der Adelsfamilie Wolff-Metternich zur Gracht.


1919 - 1939

Sophie Gräfin Wolff-Metternich zur Gracht geb. Freiin von Broich in Alsbach, Krs. Wipperfürth

Levinus Graf Wolff-Metternich zur Gracht

Die Adelsfamilie Wolff-Metternich zur Gracht nutzte den von August von Roentgen angelegten Weinanbau und kelterte ebenfalls einen "Friedrichsteiner". Das Weinetikett zeigt die Lage des Wein-berges, sowie den Wohnsitz "Haus Friedrichstein" - die ehemalige Villa Roentgen.

Weinflaschen-Etikett: 1920er Friedrichsteiner

1920: Weinetikett des "Friedrichsteiner"

Levinus Wilhelm Maria Hermann Hubert Graf Wolff-Metternich zur Gracht geb.: 16.02.1847 in Vinsebeck
gestorben am 28.12.1939 in Friedrichstein bei Fahr

Heirat: 10 Juni 1893 in Petersthal

Freiin Leontine Sophia von Broich geb. 17 Februar 1860 Kreutzerhof bei Schonau
gestorben am 18. April 1946 Friedrichstein bei Fahr

1932: Levinus Graf Wolff-Metternich zur Gracht

1932: Levinus Graf Wolff-Metternich zur Gracht

Terrasse Haus Friedrichstein   Terrassenblick auf den Rhein
     
Die Terrassen-Ansicht
 
Friedrichstein-Blick auf den Rhein

 

1933 - Provinzialstrasse von Fahr am Rhein beim Friedrichstein

1933: Das Bild zeigt die ehemalige Provinzial-Strasse – jetzt:
Bismarkstrasse – unterhalb des Hauses Friedrichstein.
Zu sehen sind Terassenteile des Weinanbaus.

Familienbild   Familienbild
Familienphoto von 1933   Familienphoto von 1933
1. von links: Elisabeth Freifrau von Geyr-Schweppenburg   1. von links: Elisabeth Freifrau von Geyr-Schweppenburg ?
2. von links: Unbekannt   2. von links: Unbekannt
3. von links: Levinus Graf Wolff-Metternich zur Gracht   3. von links: Levinus Graf Wolff-Metternich zur Gracht
4. von links: Unbekannt   4. von links: Unbekannt
5. von links: Sophie Gräfin Wolff-Metternich zur Gracht   5. von links: Sophie Gräfin Wolff-Metternich zur Gracht
6. von links: Major …Freiherr von Geyr-Schweppenburg?   6. von links: Major …Freiherr von Geyr-Schweppenburg ?

1939 - 1956

In Erbfolge wurde Elisabeth Freifrau von Geyr-Schweppenburg neue Eigentümerin dieses Besitzes.

in 1956

wurde in Erbfolge Christoph Freiherr von Geyr-Schweppenburg der neue Eigentümer.

1960 Blick auf Haus Friedrichstein (ex Villa Roentgen)

1960: Haus Friedrichstein bei Fahr am Rhein

 

1987: Friedrichstein - Berghang-Abgang

1987 Bei Sicherungsarbeiten an der Strassenhanglage des Friedrichstein, unterhalb der Terrasse von Haus Friedrichstein, erfolgte plötzlich ein Hang-Abbruch. Christoph Freiherr von Geyr-Schweppenburg war zufällig im Aussenbereich seines Gartens tätig. Er wurde mit in die Tiefe gerissen und blieb auf einem Hang-Vorsprung in halber Höhe liegen und hatte durch diesen Glückfall keine größeren Verletzungen.


2010: Eigentümer und Bewohner der ehemaligen Villa Roentgen, Haus Friedrichstein, sind:

Christoph Freiherr von Geyr-Schweppenburg und seine Ehefrau Carola Freifrau von Geyr-Schweppenburg.

Das gesamte Anwesen befindet sich im Privateigentum und ist nicht zu besichtigen!

Roentgen Villa Haus Friedrichstein Eingang u Tunnel zum Rheinufer

Links: Tunnel zum Rheinufer - Rechts:: Haupteingang

 

Zufahrt und Zugang zum Haus Friedrichstein (ex Villa Roentgen)

Zugang zum Tunnel vom Rhein aus gesehen. Die Brücke führte zu den Wirtschaftsgebäuden.

 

2. Halbjahr 2013 - Nach dem Tod von Carola Freifrau von Geyr-Schweppenburg *03.07.1931 / +17.06.2013 in Neuwied sowie Christoph Freiherr von Geyr-Schweppenburg *13.10.1936 / +06.11.2013 in Neuwied, ging das Eigentum in Erbfolge an Cathleen Freifrau von Geyr-Schweppenburg.

2014 / 2015 - Die Landvilla wurde in die Liste der zu schützenden Kulturdenkmäler übernommen und an ein Arzt-Ehepaar verkauft. Es müssen aufwendige Sanierungsmaßnahmen am gesamten Gebäude durchgeführt werden, welche frühstens Ende 2016 abgeschlossen werden können. Auch im zur Immobilien gehörenden Park mit sehr altem Baumbestand - ist noch viel zu tun.

Die Landvilla Roentgen - Haus Friedrichstein - als Modell

30.03.2014 - In einem Zeitraum von rund sechs Monaten erstellte der Gönnersdorfer Walter Teufert ein Modell dieser Landvilla im Maßstab 1:60.

Modell der Roentgen-Villa, Maßstab 1:60

Grundlage für die Erstellung dieses Modells waren Architekturzeichnungen aus den 50er Jahren, welche Christoph Freiherr von Geyr-Schweppenburg - Erich Walther Ende 2011 mit zusätzlichen Erklärungen für seine Historien-Dokumentation und Neuerfassung in einem CAD Architektur-Programm leihweise zur Verfürgung gestellt hatte. Die CAD-Erfassung erfolgte durch den Archtekten und Fahrer Mitbürger Werner Knospe. Alle Zeichnungsdaten mußten durch Walter Teufert zur Modellerstellung in den gewünschten Maßstab 1:60 umgerechnet werden. Ein ganz besonderes Problem war hierbei die unterschiedliche Dachkonstruktion. Um so detailliert wie möglich das Modell zu erschaffen wurden zusätzlich historische und aktuelle Fotos sowie Luftaufnahmen genutzt.

Dieses Modell wird nach der vollständigen Sanierung der Unteren Mühle von Fahr, dem "Backesmännchen-Haus", (siehe Logbuch) eines der Ausstellungsstücke in diesem künftigen Heimatmuseum sein. Eine mehrseitige Broschüre wird dann über die Historie dieser Landvilla, seines Erbauers, sowie der nachfolgenden Eigentümer und Bewohner informieren. Zwischenzeitlich wird es im Roentgen-Museum Neuwied gezeigt werden.


* * *

 

Alle Publikations-und Verwertungs-Rechte dieser Dokumentation sind Teil einer von Erich Walther erstellten Biographie über den Geheimrath Dr. jur. August von Roentgen sowie die Historie dieser Immobilie, seiner Eigentümer und Bewohner.

Neuwied-Feldkirchen (Fahr am Rhein)

Stand: 24. April 2016