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"eine rheinfaehren-chronik beginnend mit dem 5. mai 1682 und einer aus vallendar stammenden familie nalbach."

Aus der Geschichte der Andernach - Leutesdorfer Fähre und der Fährleute von Fahr am Rhein

Zwischen Andernach und Leutesdorf gab es stets eine Fährverbindung. Mit Jahresende 1985 wurde die Motorfähre, im Volksmund als "Quertreiber" bezeichnet, eingestellt und ab Januar 1986 durch eine Personenfähre ersetzt. Dies gibt uns Gelegenheit, aus der Geschichte dieser Fährverbindung einiges mitzuteilen.

 
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Andernach Ansicht - von Irlich aus

Andernach Ansicht von Irlich
 
 

In kurtrierischer Zeit wurde das Recht, Personen überzusetzen, versteigert. Am 05.05.1682 erhält der Schiffer Mattheiß Nalbach für zwölf Jahre die "Fährgerechsame", in deren Besitz er wohl schon war, erneut bestätigt. Gleichzeitig wird aufgefordert, dass er das Fährschiff – wohl eher ein Kahn – auf eigene Kosten stellen "und niemandt über dass gewöhnliche Fahrgelt und andere gebürnuß beschwerden, seiner Churf. Gnaden leuth aber frey, so oft es die Nothurft erfordert, überführen solle". Er erhielt dafür jährlich 6 Reichstaler, Wein und Brot wie von altersher üblich von der Kellerei Engers.

Die Fähre war wohl auf lange Zeit im Besitz der Schifferfamilie Nalbach, die ursprünglich aus Vallendar stammt. Auch 1744 bittet ein Matheiß Nalbach um die Verlängerung der Fährpacht. Er bittet gleichzeitig um die Ermäßigung der Pacht von 56 auf 40 Taler, da "durch die Sperrung und Überfahrt der Kriegsvölker verderb seiner Schiffung nicht geringen Schaden gelitten". Es ist die Zeit der europäischen Erbfolgekriege, unter denen auch das Kurfürstentum Trier zu leiden hatte. Er habe auch "eine newe pontung mit newer Schiffung und zugehör sich anzuschaffen und dazu über 300 Rtlr Kösten" gehabt, gibt Nalbach an.

1752 muss der Amtsverwalter Sohler, der auch durch Einnahmen aus dem Handel mit Andernacher Steinen reich geworden, gleichzeitig oberster kurtrierischer Zollbeamter in Leutesdorf war, eine Beschwerde gegen Nalbach überprüfen. Es heißt dort, dass Nalbach seinen Haupterwerb mit Fahrten nach Köln hat und sich nicht um die Fähre kümmere. Er lasse Leute warten und diese müssten sich um andere Überfahrtmöglichkeiten kümmern. Nalbach habe sich bei der letzten kurfürstlichen Jagd 35 Reichstaler vergüten lassen, obwohl die Wagen, Fuhren und Kutschen frohnweise – also frei – übergesetzt werden müssten. Als sein Nachen wegen der neuwiedischen Brückenhändel, vermutlich handelt es sich um Streitigkeiten aus der Fährverbindung Andernach – Fahr, 8 Tage in Andernach festgelegen, habe er sich 23 Taler für erlittenen Schaden vergüten lassen, obwohl es einen anderen Nachen zum Übersetzen gebrauchte. Für den Transport der Irlicher Zehntfrüchte zum Leutesdorfer Kelterhaus habe er unrechtmäßigerweise Geld verlangt. Wir wissen nicht, wie die Beschwerde gegen Nalbach ausgegangen ist.

Am 30.09.1755 versteigerte der kurtrierrische Amtskellner Steitz in Engers die Fährgerechtsame an Hans Peter Hahn (nicht Hohn!) als Meistbietenden. Er war wohl auch vorher bereits hier Fährmann gewesen. Diesmal jedoch hatte er viele Mitbieter aus dem Ort, die ihm den Steigpreis hochtrieben, so dass er erst bei 203 Reichtalern statt dem Mindestgebot von 51 Reichstalern den Zuschlag erhielt. Hahn war aus dem Amt Limburg gebürtig und ehemals bei der Hofkellermeisterei in Ehrenbreitstein als Faßbenderobergesell bzw. Kellermeister und Hofschenk bei der Wahl und Krönung des Kaisers mit im kurtrierrischen Hofstaat in Frankfurt gewesen. Er hatte insgesamt 6 Jahre lang in kurfürstlichen Hofdiensten gestanden. Als der Leutesdorfer Schiffer Mattheiß Nalbach gestorben war, hatte er dessen Witwe mit ihren zwei unmündigen Kindern geheiratet.

In einer Eingabe an den Kurfürsten aus dem Jahre 1759 gibt er an, dass er 1755 bei der Versteigerung auf 203 Rtlr von Neidern hochgetrieben worden sei. Er könne aber kein Geld von den kurtrierrischen Untertanen im Amt Hammerstein erhalten, da sie auf dem alten Herkommen, das größtenteils Naturalabgaben für Fährdienste vorsah, beständen. Hahn war also mit seiner Fährpacht im Rückstand. In Anbetracht seiner Notlage und seiner mittlerweile fünf Kinder, bittet er um Pachtermäßgung. Schultheiß Steffen von Leutesdorf muss daraufhin einige Bürger vernehmen, wie es sich mit der Begleichung der Fährkosten seit alters verhalte.

Der Gerichtsschöffe Daniel Mohr, 74 Jahre alt, gibt an: Er wisse nichts anders, als dass jeder Haushalt hier alle Jahre dem Fährmann ein Brot gebe. Die Gemeinden Ober- und Niederhammerstein gäben aber noch eine Bürde neuer Weinbergspfähle. Die Gemeinde Hönningen und das dazugehörige Ariendorf diesseits des Baches – jenseits des Baches gehörte es zu Leubsdorf und damit zur Kurköln – zahle einige Gulden; Caspar Neudeck, 79 Jahre alt, ergänzt die Aussagen Mohrs dahin, dass das eine Brot von jedem Leutesdorfer Haushalt deshalb gegeben werde, weil ihnen die Frucht und das Mehl von der anderen Seite herübergebracht würden; bis in neuere Zeit haben Leutesdorfer Bürger linksrheinisch, unter anderem in Namedy, Besitz. – Mit Christian Eysen, 14 Jahre alt, kommt ein Junge zu Wort. Er bestätigt die Aussagen Mohrs, denn er wisse das von seinem Vater, der mehrere Jahre das Fahr gehabt habe. Johannes Mertens (60), Hermann Eysen (58), Heinrich Hartung (54), Jakob Zeuß (50), Johann Adam Hohn (45), Hans Peter Rheinspitz (44), Hans Wilhelm Müntz (48) und Johannes Maur (53) bestätigen ebenfalls diese Aussagen. Maur gibt noch an, dass der Bürgermeister dem Kellner Steitz bei der Versteigerung 1755 gesagt habe, man wolle kein Bargeld zahlen für die Fährdienste, sondern bei dem alten Herkommen der Naturalabgabe bleiben. Durch diese Regelung brachte man den Fährmann Hahn in dieser bargeldarmen Zeit so sehr in Bedrängnis, dass er seine Bitte um Pachtreduzierung tun musste. Die kurtrierrische Kameralverwaltung kam ihm jedoch nicht entgegen. 1760 wird der Fährgerechtsame an den Johannes Saurmuß für 120 Rtlr jährlich versteigert.

Wir erfahren dann wieder 1777/78 etwas über die Fähre, als sich die Fährleute Johannes Meeß; Peter und Philipp Rockenfeller und Johann Wilhelm Hahnrath aus Fahr in einem Protestschreiben an ihren Landesherrn, den Grafen zu Wied, wenden. Demnach hatten die Leutesdorfer das Recht, von ihrem Ort aus zu Kranen überzusetzen, und die Fahrer von der Fahrley zum Andernacher Bollwerk. Da die Fahrer zeitweise kein ordentliches Geschirr besaßen, um Treidelpferde überzusetzen, kamen die Leutesdorfer bis zur Landesgrenze an der Fahrley, um diese Pferde überzusetzen. Nun beschwerten sich die Fahrer, weil die Leutesdorfer das weiterhin tun, obwohl die Fahrer nun selbst dazu imstande sind. Auch wie diese Beschwerde ausgeht, ist nicht bekannt. Dass das Fährrecht genau abgegrenzt war, ist auch aus einer Aktennotiz vom 28.12.1764 datiert, zu entnehmen: Andernacher Schiffer hatten am Kranen 4 Fass Wein verladen und nach Leutesdorf zum Zoll gebracht. Der Amtsverwalter und Zollbeseher sprach den Fährlohn dem Leutesdorfer Fährmann zu, da nur er dazu berechtigt sein, Personen und Lasten überzusetzen.

Schwieriger wurden die Fährverbindungen, als das linke Rheinland nach 1794 für fast zwanzig Jahre französisch und Leutesdorf nassauisch-weilburgisch wurde. Der Rhein wurde jetzt Staatsgrenze und die Überfahrt war erschwert. Gewiss gab es Sonderregelungen für die Leute, die hüben und drüben ihre Felder und Weinberge bestellen mussten.

Aus preußischer Zeit ist dann wieder ein Fährvertrag erhalten. Er datiert vom 21.12.1850; danach wurde der Fährbetrieb mit Kähnen, sogenannten Nachen, aufrechterhalten. Der Vertrag wurde zwischen dem Fährmeister Johann Fenster und der Leutesdorfer Schiffergesellschaft geschlossen. Jedes Mitglied der Schiffergesellschaft hatte an einem bestimmten Tag den Fährdienst zu versehen von morgens sechs Uhr an. Das Übersetzen geschah mit einem Nachen, der persönliches Eigentum war. Da so bis zu 12 Nachen vorhanden waren, konnten also auch größere Gruppen übergesetzt werden. So durften auch zu den Andernacher Jahrmärkten, Kirmessen und aus Anlass von Wallfahrten, die die Leutesdorfer Kreuzkirche als Ziel hatten, alle Fährleute fahren, die einen tüchtigen Nachen hatten, was durch den Königlichen Wasserbauinspektor regelmäßig überprüft wurde. Frauen, Kinder und alte Männer durften sich nicht als Fährleute betätigen, erforderte das Übersetzen strömungsbedingt doch gewisse Kräfte. Familienangehörige mussten Fährgeld bezahlen, außer wenn die eigene Familie das Fähren hatte. Keiner der Fährleute durfte sich "gegen die Übersetzenden grob oder ungebührlich aufführen und nicht über den Tarif Zusätze fordern." Abends musste 1 Silbergroschen für die Pacht zurückgelegt werden. Wer den Fährdienst nicht wahrnehmen konnte, wurde in der Reihenfolge übergangen; lediglich im Krankheitsfall stand ihm 50% des Verdienstes zu.

Vertragspartner des Fährmeisters Johann Fenster waren Heinrich Riemenschnitter, Jakob Stricker, Johann Josef Breisig, Ernst Kalbeitzer, Daniel Nalbach, Lorenz Kalbeitzer, Anton Burger, Christ. Bender, Johann Nalbach, Peter Nalbach senior und junior, Peter Hertling, Nicolaus Nalbach, Anton Höfer, Conrad Riemenschnitter, Johann Kill, Christ. Stricker. Christian Nalbach trat dem Vertrag am 16.07.1852 bei. Bei den Namen finden wir wieder alteingesessene Familien. Mindestens bei der Familie Nalbach handelt es sich um eine Schifferfamilie. Alle genannten Personen gingen wohl damals mehr oder weniger dem Beruf des Schiffers nach.

Aber diese Fährverbindung mittels größerer oder kleinerer Kähne war dann nicht mehr zeitgemäß. So trat daher um 1865 an ihre Stelle eine Gierponte; sie wurde – wie bis vor Jahren an der Mosel noch anzutreffen – an einem festen Seil über den Fluss gezogen. Ihr Betreiber soll eine Aktiengesellschaft gewesen sein.

1912 verhandelte diese AG dann mit der Firma Schabach u Grämer in Koblenz-Lützel wegen des Baues eines Bootes mit Dieselmotor. Es kommt dabei zu einem Rechtsstreit mit der Firma Deutz, da die Andernach-Leutesdorfer-Gierpontegesellschaft vom Vertrag zurückzutreten droht, weil sie eine weitergehende Garantie für das gesamte Fährboot erhalten will. Deutz will nur ein Jahr für den 100 PS starken Motor Garantie leisten. Über den Betreiber der Fähre ist zu erfahren: Die Andernach-Leutesdorfer-Gierpontefesellschaft war zu diesem Zeitpunkt eine KG. Ihr gehörten die Stadt Andernach – Vertretr Bürgermeister Dr. Kerkhoff – mit ihrer Rheinschifffahrtsgesellschaft mbH ebenso an, wie wohl einige Privatleute. Denn im Verwaltungsrat sitzen Fabrikant Franz Wolters, Justizrat von Ghemen, Kaufmann Simon Weber, Rentner Anton Kröll und Metzgermeister Fritz Hamm (alle aus Andernach). Die Firma Deutz verliert die Klage auf Vertragserfüllung durch die Fährgesellschaft.

Der Bau einer dieselgetriebenen Fähre scheint dann doch nicht mehr zustandegekommen zu sein.

Von 1915 an verkehrte eine dampfbetriebene Fähre, die erst 1934 durch eine 95 PS starke, dieselgetriebene Fähre ersetzt wurde. Über das Schicksal der Fähre nach dem Zweiten Weltkrieg wird in der Zeitung berichtet. "Am 12. März 1945 versenkten die Amerikaner durch Artilleriebeschuss die Fähre, doch konnte sie noch im gleichen Jahr wieder gehoben werden. Man brachte sie nach Koblenz zur Ausbesserung, doch die Koblenzer behielten sie gleich bis 1947 als Notbehelf für die zerstörte Pfaffendorfer Brücke. Dann kehre sie nach Andernach zurück. Allerdings nur für kurze Zeit, denn ab 1948 musste sie wieder aushelfen, diesmal zwischen Weißenthurm und Neuwied. 1949 endlich gelangte sie zurück an ihren alten Platz. Und wenn genug Raum im Museum wäre, bekäme sie hier bestimmt mal einen Ehrenplatz." Was der Schreiber "Tobias" hier im letzten Satz anmerkte, scheint nun Wirklichkeit zu werden. Es ist vorgesehen, den alten "Quertreiber" in den Andernacher Rheinanlagen zu verankern. So bleibt nur noch die Hoffnung, dass mit der neuen Fährverbindung in privater Hand die alten Verbindungen zwischen Andernach und Leutesdorf nicht abreißen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des Autors Werner Schönhofen aus Leutesdorf zur Publikation auf den Internetseiten von www.neuwied-feldkirchen.net freigegeben. Er erschien bereits ohne die jetzt auf dieser Seite publizierten Bilder im Heimatjahrbuch des Landkreises Neuwied. 1987, auf den Seiten 99-102.

Illustrationen / Photos
Die Illustrationen/Photos in der ersten Dia-Show zu diesem Artikel, wurden von Heinz Wessel aus Andernach zur Publikation im Internet Verfügung gestellt. Die Bilder der zweiten Dia-Show aus privaten Bildarchiven.

Rheinfähre Leutesdorf - Andernach

Seit dem 29. Mai 2009 gibt es wieder einen Fähr-Regelbetrieb zwischen Leutesdorf und Andernach.
Jeweils Freitag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen für Fußgänger und Fahrradfahrer.

Abfahrten bis 31. Oktober:
Andernach: 10:15, 15:05 + 18:30 Uhr
Leutesdorf: 10:25, 12:30, 16:15 + 18:40 Uhr

Abfahrten bis 28. Februar:
Andernach: 10:15, 13:00 + 18:00 Uhr
Leutesdorf: 10:30, 13:15 + 16:15 Uhr

Für eine Strecke benötigt das Schiff ca. 10 Minuten
und legt direkt vor dem Hotel Meder am Geysir Steiger an.

Kinder bis 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten fahren kostenlos.
Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, die alleine fahren, zahlen 1 €uro.

Die Mitnahme von Hunden und Fahrrädern kosten 1 €uro je einfache Fahrt.

Gruppen zahlen ab einer Größe von 10 Personen pro Fahrgast 50 Cent. Es wird um Voranmeldung bis einen Tag vor der geplanten Fahrt unter der Telefon-Nr: +49 (0) 176-234 763 35 gebeten.

Ergänzende Internet-Informationen: Andernach Tourismus | Leutesdorf-Tourismus

Weitere Informationen über z.B. Rheinfähren finden Sie hier: Wagenfähren in Deutschland ab 1900